Shadowrun: Crash and Burn (Icarus) (Seattle 11.08.2076)

Shadowrun: Crash and Burn (Icarus)

Enumclaw, Auburn, Seattle, 11.08.2076, 22:34

Mit Einsetzen der Dunkelheit kam ich nach einem anstrengenden Fußmarsch bei dem Parkplatz an, auf dem Romeo 1 seit zwei Tage auf mich wartete. Der GMC Bulldog war unbeschädigt und sah nur etwas staubig aus. Ich musste Grinsen, als ich an den fröhlichen Spruch dachte, mit dem unser Nachbar Mr. Brumby jeden Morgen sein Auto begrüßt hatte:

»Geez, car still there, me happy!«

Eines Morgens war Mr. Brumbys Auto allerdings nicht mehr da, wo er es abgestellt hatte. Ich weiß noch, wie mein Bruder und ich ihn beobachteten, als er fröhlich pfeifend wieder ins Haus ging, eine Sturmschrotflinte holte und sich auf den Weg zur örtlichen Gang machte. Am nächsten Morgen stand sein Wagen wieder in unserer Straße, und soweit ich gehört habe, hatte der Troll danach nie wieder Probleme mit den Bladebirds.

Ich murmelte also grinsend den gleichen Spruch, deaktivierte die Sicherheitssysteme und fuhr meine Riggerkonsole hoch.

Ein Sprach-ARO von Ziggler wartete auf mich.

»Hallo Ikarus. Hier ist Dolph Ziggler. Wenn du wieder zur Verfügung stehst, können wir dringend deine Hilfe als Fahrer gebrauchen. Wir stecken in einem Einsatz, komm uns sobald wie möglich mit deinem Van hier rausholen.«

An den ARO waren Koordinaten angehängt. Ich warf einen kurzen Blick auf die Karte und sah, dass sie zu einem Gebäude in den Puyallup Barrens am Clear Lake gehörten. Wie ich an der Positionsübersicht meiner Drohnen sah, befand sich Sierra 2 (und damit wahrscheinlich auch Rogue) ebenfalls dort. Mist. Ich hatte zwar keine Ahnung, was für ein Run das war, in dem mein Team gerade steckte, aber die Adresse bedeutete Ärger. Schnell prüfte ich die Signatur des ARO, um herauszufinden, wie alt es war. Wie es aussah, hatte Ziggler es erst vor ein paar Minuten abgeschickt. Nochmal Mist. Meine Dusche musste also noch eine Weile ohne mich auskommen. Der Gedanke an die Gesichter von Phoenix, Galahad und Ziggler, wenn sie in mein Auto stiegen und den Geruch von zwei Tagen Wildnis aushalten mussten, ließ mich allerdings wieder ein bisschen grinsen.

Schnell prüfte ich die Munition in meinen Waffen, während ich dem Spatzenhirn des Vans schon den Befehl zum Losfahren gab. Alles in Ordnung, Gelmunition in Pistole und meiner AK97, scharfe Munition in den AK97, die auf Sierra 4 und Sierra 5 montiert waren, und volle Munitionskapazität des Tasers von Sierra 5. Ich zog meine Panzerjacke an und prüfte kurz die Mechanik meiner Offensivdrohnen. An der Grenze von Auburn nach Puyallup klinkte ich mich selber in Romeo 1 und übernahm das Steuer. Auf diesem heißen Pflaster wollte ich auf alles vorbereitet sein.

Der Clear Lake lag im Südosten der Barrens, in einem Gebiet, das ziemlich menschenleer war und in dem hauptsächlich leblose Lavafelder, verstrahlte Steppe und einige illegale Fabriken und verfallene, von Ausgestoßenen bewohnte Gewerbehallen lagen. Kein freundlicher Ort. In meiner Zeit bei den Knights hatte ich mehrere Einsätze in Puyallup gehabt, allerdings immer nur in Loveland. Das waren große Sachen mit mehreren Teams gewesen, die gemeinsam vorgingen, und immer war die Feindseligkeit der Bewohner, an denen wir auf dem Weg dorthin vorbeifuhren, fast greifbar. Also rechnete ich auch am Clear Lake mit dem Schlimmsten. Immerhin musste ich mir keine Sorgen darum machen, unterwegs in eine Polizeistreife zu gelangen, denn in diese Gegend verirrte sich kein Cop, der nicht lebensmüde war.

Clear Lake, Puyallup, Seattle, 11.08.2076, 23:08 Uhr

Nach einer nervenaufreibend ereignislosen halben Stunde Fahrt durch die Dunkelheit erreichte ich den Clear Lake, ohne auf Spuren von Leben gestoßen zu sein. Ich war überrascht, eine intakte Straße und sogar einen Parkplatz vor dem Zielobjekt zu finden. Langsam fuhr ich daran vorbei und meldete mich über Funk auf dem zumindest nominell verschlüsselten Teamkanal.

»Team von Ikarus. Bin in der AO. BEAR einsatzbereit. Kommen.«

Nach wenigen Momenten antwortete Ziggler mir.

»Ja, hier ist Ziggler. Super, dass du da bist. Park den Wagen ein Stück weit weg und komm erst mal her.«

Ich war bereits an dem Zielgebäude vorbei gefahren. Neben mir sah ich einen befestigten Streifen am Fahrbahnrand, der von einer Reihe Büsche verdeckt wurde und zumindest auf den ersten Blick nicht von der Straße aus einsehbar war.

»Verstanden. Parke Romeo 1 in Bereitstellungsraum eine Viertelmeile entfernt. Wie ist die Lage? Gibt es Kameras? Was ist die Opposition?«

»Die Kameras sind ausgeschaltet, komm erstmal her!«, antwortete der neue Magier unseres Teams.

Das war ja immerhin schon mal etwas, aber einen Überblick von der Situation hatte ich dadurch noch nicht. Also fragte ich nach.

»Bin in 2 Minuten bei euch. Was soll ich mitbringen? Ist Heimlichkeit gefragt, oder soll ich alles bringen, was ich habe?«

»Weiß nicht, komm halt einfach.«

Oh Mann, was war denn da los? Hatten wir freie Bewegungsmöglichkeiten im Einsatzgebiet, oder musste ich mich anschleichen?

»Alter, wie soll ich kommen? Alleine und leise, oder mit Kanonen und mit meinen Drohnen, die nach Ärger suchen?«

Immerhin, darauf gab mir Ziggler eine eindeutige Antwort.

»Mann, komm mit allem, was du hast, sieh zu!«

Es schien, als wäre das Team in der Offensivphase des Einsatzes. Trotzdem kein Grund, nicht noch vorsichtig zu sein. Ich zog eine Sturmhaube über und legte meinen Atemschutz an, dann aktivierte ich Sierra 4 und Sierra 5, schickte sie und meine übrige Ausrüstung auf Schleichfahrt und bewegte mich auf das Gebäude zu. Der Doberman fuhr etwa 20 Yards vor mir, während meine MCT-Nissan Roto-Drohne mir in etwa 10 Fuß Höhe folgte. Die Zielerfassungssysteme meiner Drohnen konnten keine Signaturen aufnehmen, und nach wenigen Momenten sah ich zwischen den Bäumen am Straßenrand eine große, beleuchtete Parkplatzfläche und dahinter ein trutziges, fensterloses, altmodisch aussehendes Gebäude.

Als ich näher heran war sah ich, wie Ziggler und Galahad einen riesigen, leblosen Körper zum offen stehenden Haupteingang zogen, und die Visualisierung der Teampositionen in meinem Sichtfeld zeigte mir Phoenix einige Yards entfernt in der Dunkelheit am Rande des Parkplatzes an. Nur mühsam konnte ich seine Umrisse ausmachen, als ich mich darauf konzentrierte. Ich winkte ihm einen stummen Gruß zu, den er ebenso wortlos erwiderte, und ging zum Rest des Teams. Sierra 2 schwebte etwa zwei Yards über dem Boden zwischen Ziggler und Galahad.

»Hallo Leute!«, schickte ich ihnen über mein direktes Neuronalinterface per Funk zur Begrüßung.

Die beiden hielten inne und ließen den Troll, den sie gerade in das Gebäude ziehen wollten, am Boden liegen. Sie nickten mir abgelenkt zu und unterhielten sich gedämpft.

»Lass uns den Typen irgendwo verstecken, wo ihn keiner sieht!«, raunte Galahad Ziggler zu.

»Am Besten irgendwo drinnen, wo ihn die Höllenhunde nicht gleich finden!«, merkte unser Magier an.

Mittlerweile war ich bis auf ein paar Schritte herangekommen und sah mir den Typen am Boden etwas näher an. Verdammt! Der Mann trug die Uniform eines Knight-Errant-Polizisten – was hatten Galahad und Ziggler angestellt? Und was verdammt noch mal machte ein einzelner Beamter nachts mitten in den Puyallup Barrens? Zum Glück schien er noch zu atmen und wirkte unverletzt. Und was war das mit den Höllenhunden? Paranormale Wachtiere waren meistens ziemlich effizient. Und gab es menschliche Patrouillen oder Drohnen?

So viele neue Aspekte, ich musste das erstmal sortieren.

»Mist, Höllenhunde? Wo? Und was ist mit Patrouillen?«, fragte ich nach.

Ziggler inspizierte den offenen Durchgang ins Foyer des Gebäudes und winkte beiläufig in beide Richtungen die Außenwand entlang.

»Ja, es gibt Höllenhunde hier.«, sagte er abgelenkt. Irgendetwas an der Tür schien ihm nicht geheuer zu sein. Dann rümpfte er verunsichert die Nase und musterte mich von Kopf bis Fuß, ehe er sich fing und wieder auf den Eingang des Gebäudes starrte.

»Genau hier?«, fragte ich sicherheitshalber nach.

»Ja, genau hier, wir haben nicht viel Zeit, die drehen hier ihre Runden.«, stellte Galahad klar.

»Und die Kameras?«

»Die habe ich deaktiviert.«, meldete sich da die synthetische Stimme von Rogue über mein Funkgerät.

Das war interessant! Die KI half unserem Team also dabei, in ein Zielgebäude einzudringen. Je nachdem, wie kompetent das Programm dabei war, könnte uns das viel Ärger ersparen. Das beruhigte mich ein bisschen. Ich konfigurierte meine Drohnen so, dass Sierra 5 jederzeit auf lebende Ziele freies Feuer mit seinem Taser abgeben durfte, während ich beide Drohnen für ihre Sturmgewehren auf den Angriff auf SAFU-Einheiten beschränkte. Während die Roto-Drohne über uns die Umgebung sicherte, begann meine Bodenkampfdrohne konfigurationsgemäß als Vorhut mit dem Auskundschaften des Einsatzgebietes und fuhr leise rasselnd an Ziggler und Galahad vorbei in das Gebäude.

Wenige Augenblicke später blitzte rechts des Eingangs auf der Positionsanzeige die Signatur einer kleinen Bodendrohne auf. Fast zeitgleich donnerte das Feuer einer automatischen Salve des Sturmgewehrs, das an Sierra 4 montiert war, zu uns nach draußen. Die Verkleidung, die ich zur Tarnung um die AK97 herum angebracht hatte, flog beim ersten Schuss in Fetzen davon.

Mist, das war nicht sehr subtil. Da im Foyer keine weiteren Einheiten zu erkennen waren, schickte ich Sierra 4 und Sierra 5 außerhalb des Gebäudes in Absicherungspositionen auf beiden Seiten des Eingangsportals. Galahad, Ziggler und ich machten uns auf den Weg, den Vorraum zu erkunden. Phoenix deckte weiterhin den Parkplatz und unsere Rückzugsroute. Als wir in das Foyer traten sah ich, dass die Drohne, die Sierra 4 ausgeschaltet hatte, eine harmlose autonome Staubsaugerdrohne war. Viel Lärm um Nichts also.

Während Galahad den bewusstlosen Troll in der geräumigen, runden Eingangshalle hinter einigen Büschen notdürftig versteckte, glitt plötzlich die Eingangstür zu. Als ich mir die Sache genauer ansah, entdeckte ich ein RFID-Magschloss ohne weitere Öffnungsmechanismen. Verdammt! Wie sollten wir hier schnell wieder raus kommen? Ziggler war bereits auf dem Weg in einen breiten Flur, der sich vom hinteren Ende der Eingangshalle aus von uns weg erstreckte, und beäugte beeindruckt eine ganze Reihe alter Bücher, die in mehreren Regalen zu beiden Seiten des Ganges standen. Waren wir in einer Bibliothek gelandet? Was war das hier? Was war überhaupt unser Auftrag? Als ich über Funk danach fragte, antwortete Ziggler mir zuerst.

»Das ist ein Gebäude der Illuminates of the new Dawn. Wir sollen einen Kelch finden.«

Mist! Mit dem Orden wollte ich nach unseren letzten Erfahrungen eigentlich nichts mehr zu tun haben. Galahad versuchte, mich noch ein bisschen zu verunsichern.

»Wir sollen den Kelch eines Zimmermanns holen!«, raunte er geheimnisvoll über Funk.

Was meinte er denn damit? Aber für solche Späße hatten wir jetzt keine Zeit. Hauptsache, die beiden wussten, wonach wir suchten.

»Wie auch immer, hat das Gebäude noch einen Zugang? Wie kommen wir hier raus, wenn der Eingang verschlossen ist?«, versuchte ich den Rest meines Teams ins hier und jetzt zurück zu holen. Ziggler und Galahad zuckten die Schultern, wirkten aber nicht sehr besorgt.

»Soweit ich weiß, gibt es keinen anderen Eingang. Schick doch mal deine Drohne zum Aufklären!«, schlug einer von ihnen vor.

Das war eine gute Idee, also wies ich Sierra 5 an, über das Gebäude zu fliegen und meine taktische Umgebungskarte zu aktualisieren. Das Ergebnis war enttäuschend. Auf den Bildern, die ich über meine Riggerkonsole erhielt, waren am gesamten Gebäude weder Fenster noch Türen zu sehen. Was für eine Falle!

»Rogue, kannst du diese Tür öffnen?«, versuchte ich es mit unserem letzten Ass im Ärmel. Leider ebenfalls erfolglos.

»Ich darf nicht in die große Festung!«, antwortete die KI lapidar.

Also musste ich zusehen, dass ich den Rückweg für uns wieder frei machte. Beunruhigt kniete ich mich neben den RFID-Empfänger der Eingangstür und holte meinen Magschlossknacker aus dem Rucksack. Nachdem ich das Gerät angebracht hatte, fing es blinkend mit seiner Arbeit an. Nach wenigen Sekunden wurde der Vorgang jedoch abgebrochen, und das Schloss meldete mit gelangweilter Stimme einen unzulässigen Zugriff. Mist. Also musste ich es selbst versuchen. Ich nahm mein Werkzeug und öffnete schnell das Gehäuse, während Ziggler schon alleine und ohne Absprache den hinteren Teil des Gebäudes auszukundschaften begann. Verdammt, warum konnte in diesem Team bloß nie jemand strukturiert handeln?

»Wartet. Ich öffne die Tür wieder. Wir brauchen einen Fluchtweg!«, schickte ich ihnen wortlos über mein Neuronalinterface einen Funkruf. Eine Antwort erhielt ich nicht, aber immerhin sah ich Galahad abwartend am Ende der Eingangshalle stehen. Vor mich hin fluchend machte ich mich an die Arbeit und suchte die Schaltkreise, die die Zugangskontrolle überbrücken konnten. Zu spät merkte ich, dass das Gehäuse mit einer Manipulationserkennungsschaltung verbunden war. Verdammt!

»Unzulässiger Zugriff. Alarm wurde ausgelöst.«, intonierte die synthetische Stimme des Magschlosses.

»Leute, wir müssen uns beeilen, gleich wird irgend jemand hier nach dem Rechten schauen, ich habe einen Alarm ausgelöst! Und die Tür ist immer noch zu.«, warnte ich den Rest des Teams. Dann sammelte ich meine Ausrüstung wieder zusammen und beeilte mich, hinter Ziggler herzukommen. Gemeinsam mit Galahad ging ich an den Regalreihen mit vielen Hundert alten Büchern vorbei. Zahlreiche altmodische Wandlampen verbreiteten ein gedämpftes Licht. Nach etwa dreißig Fuß gingen zu beiden Seiten zwei weitere, kurze Flure ab, die sich nach wenigen Schritten T-förmig verbreiterten und jeweils an einer holz-verkleideten Tür endeten. Auch der Teil des Ganges, den wir entlang gekommen waren, endete nach etwa 5 Fuß an zwei Türen. Wir hielten inne und begutachteten die menschenleeren Flure von der Ecke aus. Eine argwöhnische Frauenstimme rief aus dem linken Flur.

»Wer sind Sie? Was wollen Sie hier?«

Verdammt! Ziggler setzte an, etwas zu erwidern, aber ich hatte den Eindruck, dass ich ihm besser zuvor kommen sollte. So polizeimäßig und beruhigend wie möglich antwortete ich ihr.

»Knight Errant Security, Ma’am. Ist mit Ihnen alles in Ordnung? Wir haben einen Notruf von diesem Gebäude erhalten!«

Doch die Frau ließ sich davon nicht täuschen. Vielleicht waren die Kameras doch nicht vollständig durch Rogue ausgeschaltet worden und sie hatte unser Eindringen beobachten können. Jedenfalls erwiderte sie verächtlich:

»Wagen Sie es nicht, näher zu kommen, ein Einsaztteam wird bald hier sein!«, und wir hörten, wie eilige Schritte sich wieder entfernten und sie sich gedämpft mit zwei anderen, männlichen Stimmen unterhielt. Drek. Dieser Einsatz stand unter keinem guten Stern.

»Denkt dran, wir wollen die Leute hier nicht-letal ausschalten.«, erinnerte ich über Funk Phoenix, Galahad und Ziggler. Da wir nun ja sowieso keine Chance mehr hatten, heimlich vorzurücken, wies ich Sierra 4 an, sich mit der AK97 den Weg durch die Eingangstür freizuschießen. Dann ließ ich beide Drohnen im Foyer Stellung beziehen.

Als Reaktion auf den Kontakt mit den drei Illuminaten verschwand Ziggler plötzlich vor unseren Augen. Wenn mich meine bisherigen Erfahrungen nicht täuschten, hatte er einen Unsichtbarkeitszauber gewirkt! Unser Magier ließ uns über Funk wissen, dass er so bis zu der Tür gehen wollte, hinter der wir die Frau und ihre Begleiter vermuteten.

Galahad und ich inspizierten vorsichtig die Tür, die gegenüber des Flurs mit den Regalen lag. Sie war mit einem weiteren Magschloss gesichert, und nach dem letzten Versagen meines automatisierten Knackers versuchte ich gar nicht erst, sie zu öffnen. Wir machten uns daran, Ziggler zu folgen und uns der Tür im linken Gang zuzuwenden, hinter der die Stimmen verschwunden zu sein schienen.

Plötzlich hörte ich einen Schuss, der zum Glück niemanden traf, aber ein deutlich sichtbares Einschussloch in der Tür zurück ließ. Galahad sprang mit einem akrobatischen Manöver an die Decke des Flures und stemmte sich dort an beiden Seiten mit den Beinen im Spagat ab. Eindrucksvoll! Nur einen Augenblick später wurde er jedoch plötzlich von einem gleißenden Blitz erfasst, der durch das Loch in der Tür gekommen zu sein schien. Mist! Magier! Das war zwar in einem Ordenshaus der Illuminates of the new Dawn zu erwarten, verhieß aber trotzdem nichts Gutes. Ich musste etwas unternehmen. Schnell tauschte ich das Magazin meiner AK97 gegen eines mit scharfer Munition aus, wies Galahad und Ziggler an, in Deckung zu gehen, und begann, die Tür, hinter der die Magier mutmaßlich steckten, mit meinem Sturmgewehr aus sicherem Abstand zu bearbeiten. Laut dröhnte die automatische Salve durch den Flur, und einige Stücke Metall und Kunststoff flogen in alle Richtungen davon.

Als ich eine kurze Feuerpause machte, um die Beschädigung zu beurteilen, sah ich plötzlich undeutlich etwas vor der Tür durch die Luft flimmern, und ein etwa drei Fuß durchmessendes Stück davon glitt anschließend zeitlupenartig zu Boden. Was war das denn? Das musste Ziggler gewesen sein, der immer noch seinen Unsichtbarkeitszauber aufrecht erhielt.

»Lasst uns zwei der drei ausschalten und den letzten von ihnen befragen. Einer von denen muss uns sagen können, wo der Kelch ist, den ihr sucht. Denkt dran, wir wollen niemanden umbringen!«, schickte ich meinem Team noch einmal eine Erinnerung über Funk zu. Einige Augenblicke später merkte ich, dass die Frau und ihre Begleiter frei von solchen Skrupeln zu sein schienen. Natürlich musste man ihnen die verzweifelte Situation zu Gute halten, in der sie sich wähnen mussten. Jedenfalls erschien wie aus dem Nichts plötzlich eine riesige Feuergestalt neben mir, die wie das Höllenfeuer glühte und eine unerträgliche Hitzewelle ausstrahlte. Um mich herum fingen Bücher knisternd an zu glimmen und zu brennen, und innerhalb kurzer Zeit war der Flur von Rauch erfüllt.

Zum Glück war Galahad in meiner Nähe, und ich hatte schon vorher gesehen, wie der Adept mit seinen magisch aufgeladenen Schlägen Geister ausgeschaltet hatte. Also hoffte ich, dass er mir meinen Arsch retten würde, ehe dieser Feuergeist ihn grillte. Galahad bewegte sich wie immer blitzschnell. Ich konnte nicht alles sehen, was passierte, aber nach einem Sekundenbruchteil hatte der Elf bereits zugeschlagen. Der Geist brüllte getroffen auf.

Doch auch Galahad schien verletzt zu sein. Die Feuergestalt brannte so heiß, dass jede Berührung lebensgefährlich war. Galahads Rüstung und seine Haare glimmten an einigen Stellen Besorgnis erregend. Der Geist wandte sich mir zu, und ich mobilisierte alles, was noch in mir steckte. In einer Geschwindigkeit, zu der ich sonst nur eingeriggt in der Lage war, wies ich Sierra 4 an, mit mir gemeinsam das Feuer zu eröffnen. Dann aktivierte ich eine Salve meiner AK97. Das unglaubliche geschah: Nachdem meine Drohne fast zeitgleich mit mir zu schießen angefangen hatte und das ohrenbetäubende Rattern der beiden Sturmgewehre durch die Flure klang, löste sich der Geist mit einem Brüllen in Luft auf!

Für Triumph war es allerdings nicht der richtige Zeitpunkt, denn Galahad war schwer verletzt. Stöhnend zog er sich in den Flur mit den Büchern zurück, um aus dem Kampfgeschehen heraus zu kommen.

»Ich bin raus, ich bin zu schwer verletzt. Ich warte, bis ihr die Situation unter Kontrolle habt!«, rief er uns zu.

Außerdem kriegte ich von Ziggler über Funk die Meldung, dass in dem Raum hinter der Tür eine Drohne wartete. Na super, erst die Magier, und nun auch noch das! In diesem Moment bemerkte ich, dass jemand in der Matrix versuchte, meine Drohnen zu kontrollieren. Zum Glück war meine Firewall überlegen, aber das beruhigte mich nur wenig. Ein Rigger oder Decker schien auf Seiten der Illuminaten ebenfalls in den Kampf eingestiegen zu sein, was die Situation zusätzlich verkomplizierte. Ich beschloss, direkt in Sierra 4 zu springen und mich um die andere Kampfdrohne zu kümmern, ehe der feindliche Rigger in den Kampf einsteigen konnte.

Ich setzte mich auf den Boden des Korridors, lehnte mich an ein Bücherregal und formulierte in Gedanken den Befehl zur direkten Verbindung mit meiner MCT-Nissan Doberman Bodenkampfdrohne. Sofort verschwamm die Welt um mich herum, und nach wenigen Sekundenbruchteilen tauchte sie in neuer, fast beängstigender Klarheit wieder auf. Ich nahm alle Qualitäten, die Sierra 4s Sensorarray lieferte, gleichzeitig wahr. Sichtbares Licht, Infrarot, RADAR und LIDAR überlagerten sich in einer beeindruckenden 360°-Darstellung, und ich spürte, wie meine beiden Kettensysteme sicher über den Boden rollten und mich voran brachten.

Die holzverkleidete Tür hing schräg an einer Angel. Dahinter befand sich ein Konferenzraum, in dem mehrere Tische als Deckung umgekippt worden waren. Innerhalb weniger Augenblicke erfasste ich in der augmentierten Darstellung des Raumes die Signatur einer weiteren GM-Nissan Doberman Drohne. Ohne auf eine Zielerfassung meiner Sensoren zu warten, glich ich blitzschnell die Bewegungen beider Drohnen aus und eröffnete das Feuer. Die gegnerische Drohne wurde von meiner automatischen Salve erfasst und zerplatzte funkenstiebend in mehrere Teile. Der restliche Raum schien leer zu sein. Wahrscheinlich waren die Verteidiger über einen Gang entkommen, der hinter der Tür nach links zog und von dem wiederum einige Türen abgingen.

In diesem Moment kam die angespannte Stimme von Phoenix über unseren Funkkanal.

»Wir haben hier draußen Einheiten von Knight Errant. Ich kann sie noch eine Weile beschäftigen, aber ihr müsst euch beeilen!«

Es war Zeit, das Tempo zu erhöhen!

»Phoenix, hier Ikarus. Haben verstanden, gib uns ein paar Minuten!«, antwortete ich ihm.

Ich löste die Verbindung zu Sierra 4, schaltete meine beiden Drohnen auf Begleitmodus und rückte mit Ziggler und Galahad erneut vor. Doch das war keine gute Idee! Aus dem Nichts heraus erfasste ein Feuerball mich, Ziggler und Sierra 4. Das Flammeninferno brachte mich fast um. Nur um Haaresbreite schaffte ich es, am Leben zu bleiben, hatte aber schwere Verbrennungen davon getragen. Schnell rannte ich zurück in den Korridor, um außer Reichweite zu sein. Ziggler schien glimpflich davon gekommen zu sein, doch meine Kettendrohne wurde völlig zerstört.

Verdammt! Woher war der Feuerball gekommen? Über den Videofeed von Sierra 5, die einige Fuß hinter meinem Team im Korridor schwebte, sah ich am Ende des Ganges eine Frauengestalt vor einer offenen Tür stehen. Dann warf Galahad eine Granate in ihre Richtung und sprang nach links durch eine weitere Tür, die mir jetzt erst auffiel. Dabei griff er nach dem überrascht wirkenden Ziggler und riss den Magier mit sich in Deckung. Wenige Augenblicke später wurde die Frau von einer Explosion erfasst und zu Boden geschleudert. Das Donnern war ohrenbetäubend. Zum Glück war Sierra 5 außerhalb des Explosionsradius‘.

Ich musste Galahad und Ziggler unterstützen und riggte mich direkt in die MCT-Nissan Roto-Drohne ein. Im nächsten Augenblick tauchten meine Teamkollegen nacheinander im Gang auf und eilten durch die offene Tür in den Raum. Als ich mit Sierra 5 hinterherflog, kämpften die Beiden mit einem Mann, der sich in der hinteren rechten Ecke des Raums versteckt hatte. Ich aktivierte den Taser und landete nach einigen Schüssen einen guten Treffer. Zuckend ging der Mann zu Boden. Doch noch im Fallen bildete sich um seine Hände ein riesiger Feuerball, der einen Herzschlag später in einer riesigen Explosion aufging. Sämtliche Sensoren von Sierra 5 fielen zeitgleich aus, und ein unglaublicher Schmerz zuckte durch meinen gesamten Körper, ehe alles um mich herum schwarz wurde.

Als ich wieder zu Bewusstsein kam, sah ich Zigglers Gesicht vor mir. Er klopfte mir auf die Schulter und versuchte mir aufzuhelfen. Ein angenehmes, warmes Gefühl klang in meinem Körper nach, machte dann aber leider Platz für heftige Schmerzen. Ein unwirkliches Glühen umgab Zigglers Hände noch für einige Sekunden, dann stand er auf und sicherte den Flur. Ein schneller Check meiner Riggerkonsole bestätigte mir, was ich befürchtet hatte: Sierra 5 war zerstört und ich ausgeworfen worden. Ich musste Glück gehabt haben, der Biofeedbackschaden hätte mich genauso gut auch töten können.

Erneut erklang Phoenix‘ Stimme über Funk.

»Leute, es wird hier ungemütlich, ich kann die Cops nicht mehr lange abhalten, ihr müsst jetzt raus kommen!«

Auch Galahad meldete sich.

»Leute, wir müssen hier schnell raus, der Typ ist irgendeine Art Geist oder so!«, rief er beunruhigt.

Ich raffte mich auf, so schnell es eben ging, und rief über Funk mein Team zum Rückzug.

»Hier Ikarus; alles klar, Phoenix, wir kommen raus. Alle Einheiten, Rückzug! Habe unsere SAFU verloren, keine Verluste im Team, aber Galahad und ich sind schwer verletzt. Bedrohungsstufe Rot 1+. Rufe Romeo 1 zum Haupteingang.«

Dann aktivierte ich den Piloten meines Vans und ließ ihn vor dem Gebäude vorfahren. Als wir das Foyer betraten, hörte ich das automatische Feuer mehrerer Sturmgewehre. Durch die zerstörte Tür sah ich auf dem Parkplatz drei Knights in SWAT-Rüstung vorrücken, die von einer Steel Lynx Kampdrohne gedeckt wurden.

Dann wurde mein Sichtfeld durch Romeo 1 versperrt, der mit geöffneter Seitentür und quietschenden Bremsen vorfuhr. Sekundenbruchteile später hechtete Phoenix in den Van und winkte uns zu sich. Einer nach dem Anderen warfen wir uns in die Deckung meines GMC Bulldog und ich riggte mich noch von der Ladefläche aus in die Steuerkonsole. Einige Kugeln hatten die Fahrzeugpanzerung irgendwie durchdrungen und schlugen bedrohlich um uns herum in die Innenverkleidung. Es wurde Zeit, hier herauszukommen!

Als ich mit der Elektronik des Fahrzeugs verbunden war, spürte ich durch die hochsensiblen Beschleunigungssensoren die Einschläge auf meiner fahrerseitigen Außenhülle. 23…29…34… Die Außenkameras und RADAR-Systeme zeigten die Signaturen der Knight-Errant-Beamten und der Kampfdrohne und blendeten sie auf einer taktischen Karte ein, die Sierra 2 mir aus der Vogelperspektive zur Verfügung stellte. Der direkte Fluchtweg kam für mich nicht infrage, denn dafür hätte ich mindestens einen der Polizisten überfahren müssen. Also plante ich einen Slalom um die Einheiten, der uns mit vertretbarem Risiko auf die Straße und hier weg bringen würde. Ich hatte schon schwierigere Stunts gemeistert.

Mit maximaler traktionswirksamer Beschleunigung und höchstem noch kompensierbaren Lenkereinschlag nach links drehte ich den Van und umfuhr die Steel Lynx Drohne in engem Radius. Ich setzte darauf, dass ihre MGs dadurch die Zielerfassung verlieren würden, und tatsächlich blieben weitere Einschläge auf meiner Außenwand aus. Als ich den ersten SWAT-Beamten vor mir sah, kehrte ich die Lenkbewegung maximal um, so dass der Van nach wenigen Augenblicken ins Schlingern geriet und die linken Räder die Bodenhaftung verloren.

Gerade, als der Bulldog zu kippen drohte, hatte ich eine ausreichende Schräglage erreicht, um haarscharf über dem Kopf des geduckt knienden Polizisten hinwegzusausen. Ich korrigierte die Schlingerbewegung. Mit einem kräftigen Ruck kehrten alle Reifen des schweren Lieferwagens einige Fuß hinter meinem verdutzten Ex-Kollegen auf den Boden zurück, und wenig später waren wir auf der Straße und auf dem Weg in Sicherheit. Ohne weitere Absprache schalteten wir sämtliche Geräte offline. Soweit ich es beurteilen konnte, wurden wir nicht verfolgt, und nach einigen Meilen fuhr ich in einem Waldstück von der Straße ab und parkte in der Deckung der Bäume.

Verdammt! Wir hatten den Kelch nicht und hatten nicht einmal auch nur eine Ahnung, wo er gewesen sein konnte. Immerhin hatte ich das gesamte Team lebend aus dem Einsatz holen können. Dafür hatte ich Sierra 4 und Sierra 5 verloren, was mir nach all der Arbeit, die ich in sie gesteckt hatte, wirklich weh tat.

Werkzeuge, Chester, Werkzeuge! Ich versuchte mir klar zu machen, dass die Drohnen für mich nur Werkzeuge waren. Trotzdem hatten sie mich so, wie sie zuletzt waren, fast 30.000 ¥ und viel Zeit gekostet. Einige der Teile waren ohne die richtigen Kontakte auf der Straße wahrscheinlich gar nicht zu beschaffen. Mist. Aber wir lebten. Ich warf einen Blick in die Runde und schaute mir den Rest meines Teams an.

Phoenix wirkte missmutig, aber wohlauf. Er reinigte seine Waffen, inspizierte seine Sicherheitsrüstung und ließ sich von den Anderen darüber informieren, was im Inneren des Gebäudes passiert war. Galahads Rüstung und Kleidung waren ebenso wie seine Augenbrauen und Haare verkohlt und angebrannt, aber die Verbrennungen in seinem Gesicht und an den Händen, die er nach dem Kampf mit dem Feuergeist hatte, waren schon wieder größtenteils verheilt und leuchteten nur noch zart rosa im gedämpften Licht der Innenraumbeleuchtung. Auch Zigglers Kleidung hatte Brandspuren, und seine sonst sorgfältig frisierten Haare waren verkohlt. Einige wenige verklebte Büschel hatten den Feuerball des Ordensmagiers überstanden. Außerdem wirkte er müde und erschöpft und hatte tiefe Ringe unter den Augen.

Und was war mit mir? Ich hatte höllische Kopfschmerzen, mein Herz raste unkontrolliert, obwohl ich längst wieder zur Ruhe gekommen war, mir sickerte immer noch Blut aus der Nase, und alle meine Gelenke und Muskeln brannten bei der kleinsten Bewegung wie Feuer. So fühlte sich schwerer Biofeedbackschaden an, doch nachdem ich die ersten Sekunden damit überlebt hatte, würde der Rest mit ausreichend Ruhe auch wieder in Ordnung kommen. Ich grübelte mürrisch vor mich hin.

Wenn ich es mir genau überlegte, war unsere erfolgreiche Flucht der Teil des Auftrags gewesen, für den das Team mich gerufen hatte. Alles Andere war die Planung von Phoenix, Galahad und Ziggler gewesen. Also hätte ich eigentlich zufrieden sein können. Aber Mann, wie idiotisch das war, ohne Plan oder zumindest einen guten Decker oder Spezialisten für Sicherheitssysteme eine Infiltrationsmission anzunehmen! Und mein Team hatte vor dem Zugriff noch nicht einmal auskundschaftet, wo das Zielobjekt überhaupt aufbewahrt wurde oder wer noch in dem Gebäude war. Wäre ich von Anfang an dabei gewesen, hätte ich das übernehmen können, aber so hatten die Anderen einfach darauf gehofft, dass es schon irgendwie klappen würde. Verrückt.

Derweil berichtete Galahad.

»Ich sag dir, der Typ war wie ein Geist oder so! Hat mich gefragt, wer ich bin, und gesagt, dass er da ist, um mir Befehle zu geben!«, sagte er fassungslos. »Und die Frau war ganz sicher tot, ich hab ihren Puls gefühlt, aber als ich mich zurückgezogen habe, ist sie hinter mir her gekommen und hat wieder gelebt. Wie ein Zombie!«, fuhr er fort.

Das war wirklich gruselig. Nach meinen vorigen Erfahrungen mit den Illuminates of the new Dawn war ich allerdings nicht sehr überrascht und mir nun umso sicherer, dass ich in Zukunft nichts mehr mit ihnen zu tun haben wollte. Nach einigen Momenten, in denen wir alle still vor uns hin grübelten, programmierte ich das Spatzenhirn des Vans auf die Adresse des Trailerparks in Auburn. Außerdem brauchte ich neues Material für mein Medkit, so dass wir unterwegs an einem Wallmart’s hielten und aufstockten.

Vista Park, Enumclaw, Auburn, Seattle, 12.08.2076, 00:34 Uhr

Der Trailerpark lag ruhig da. Einige Lichter zeigten an, wo die Bewohner noch mit Saufgelagen oder Streit beschäftigt waren, aber auf den Wegen begengete uns niemand. An unserer Unterkunft angekommen wollten wir uns am liebsten alle zusammenrollen und ausruhen, aber Ziggler und Galahad baten Rogue, für uns noch einmal zum Haus des Ordens zurückzukehren und auszukundschaften, was dort nach unserem Einsatz jetzt vor sich ging. Die Bilder, der er schickte, stimmten uns nachdenklich.

Beide Magier, die wir im Kampf getötet hatten, waren deutlich zu erkennen, wie sie freundlich mit Polizisten und Feuerwehrleuten redeten. Sie waren also wirklich so etwas wie Untote! Der Orden der Illuminates of the new Dawn war auf jeden Fall mit Vorsichtig zu genießen. Egal. Erstmal konnten wir uns ausruhen und unsere Wunden lecken.

Vista Park, 12.08.2076

Wärend wir uns alle von unseren Verletzungen erholten, machten Ziggler und Galahad einen Haufen alter Bücher, die sie aus der brennenden Bibliothek gerettet hatten, und ein paar Dinge, die sie den (Un-)Toten abgenommen hatten, zu Geld. Das war eine gute Idee, denn insgesamt war der Run ein ziemliches Minusgeschäft. Immerhin erhielt ich von ihnen einen Anteil von ¥ 2450.

Vista Park, 13.08.2076

Als ich mich am nächten Tag wieder etwas besser fühlte machte ich mich daran, über meine Kontakte und in der Matrix herauszufinden, ob Naora International Corporation, Knight Errant und die Illuminates of the new Dawn nach uns suchten.

Gab es ein Kopfgeld? Was wussten Sgt. Anderson, Billy Low und Freddy the Fix?

Was ich herausfand, erschütterte mich. Ich wurde unter Anderem wegen Mordes und Diebstahl von militärischem Konzerneigentum gesucht. Auf einem hoch auflösenden Foto war ich gut zu erkennen, ein zweites Bild zeigte Romeo 1. Zwar waren nur der Name und die ID meiner gefälschten SIN, Liu Branderson, bekannt, aber Knight Errant, Renraku, NeoNET und FTL Technologies sowie Naora International Corporation hatten insgesamt 83.000 ¥ auf meine Ergreifung ausgesetzt.

Auch Ziggler, Galahad und Phoenix wurden von Knight Errant gesucht, aber die Prämie für sie war lächerlich gering. Außer Phoenix wurden alle nur mit dem Einstieg bei den Illuminates of the new Dawn in Verbindung gebracht. Trotzdem musste ich sie warnen, denn auch ihre Fotos und die SIN, die sie benutzt haben, waren aufgeführt.

Ich würde meine Spuren gründlich verwischen müssen.

Inzwischen waren die Anderen von ihrem Mr. Johnson kontaktiert worden. Sie hatten sogar immerhin ¥ 1500 für jeden als Aufwandsentschädigung erhalten, weil sie ihm tatsächlich erzählt haben, dass in dem Gebäude des Ordens kein Kelch, wie wir ihn beschaffen sollten, zu finden gewesen war, dafür aber eine Horde Untoter als Wachen.

Ich berichete ihnen, was ich über das Kopfgeld auf sie erfahren habe und ließ sie ihre eigenen Vorbereitungen zum Untertauchen machen.

Vista Park, 14.08.2076

Am nächsten Tag ging es mir körperlich wieder gut, und ich machte mich an die Arbeit. Ich rasierte mich gründlich, ließ mir von Ziggler die Haare kurz schneiden und elegant frisieren und zog meine unauffälligsten Klamotten an. Dann besorgte ich mir in einer etwas heruntergekommenen Mall ein paar Anzüge, Hemden und Krawatten und eine elegante neue Brille.

Inzwischen hatte Billy Low jemanden finden können, der mir die Stealth-Autosoft für meine Horizon Flying Eyes und eine neue gefälschte SIN beschaffen konnte. Wir vereinbarten ein Treffen in der Matrix, und ich achtete darauf, den Kauf mit meiner anderen gefälschten SIN zu bezahlen, die ich bis jetzt nur zum Kaffeekaufen und so weiter benutzt hatte. Dafür würde ich von jetzt an sehr genau überlegen müssen, welche SIN ich wofür benutzte. Immerhin war es möglich, dass Billy Low die beiden SIN nun miteinander verknüpfte und mich später möglicherweise verriet.

Dann fuhr ich nachts in meine Werkstatt. Ich hoffte, dass sie nicht mit der gesuchten SIN verbunden war, da ich Tom immer mit einem beglaubigten Credstick bezahlte und keine Überweisungen machte. Ich reparierte die oberflächlichen Schäden an meinem Van und lackierte ihn weiß um. Außerdem fügte ich einige Strand- und Segelmotive hinzu, um ihm das Erscheinungsbild eines Freizeitcampers zu geben.

Auburn, Seattle, 15.08.2076

Am nächsten Tag, nachdem ich mich von der nächtlichen Aktion ausgeschlafen hatte, fuhr ich zu einem großen Elektronikkaufhaus und besorgte mir eine neue Shiawase Kanmushi Mini-Läuferdrohne. Eigentlich brauchte ich dringend eine neue Waffenplattform, aber ich konnte mir im Moment nichts weiter leisten. Wahrscheinlich würde ich so bald sowieso keine Waffenhalterung für die AK97 kriegen können.

Nach meiner Rückkehr auf den Schrottplatz begann ich damit, die Ortungsfunktion und Seriennummern aus beiden Drohnen zu entfernen und verbrachte damit einige Tage.

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